Vorwort

von Stefan G. Reuß

Geschäftsführender Präsident
Sparkassen- und Giroverband Hessen-Thüringen

Die Geschäftsentwicklung der 48 Sparkassen in Hessen und Thüringen war 2023 geprägt von geopolitischen Unsicherheiten, einer hohen Inflation und einer restriktiven Geldpolitik der EZB. Trotz dieses nicht leichten Umfelds haben die Institute wieder ein ordentliches Ergebnis erzielt. Es ist ihnen gelungen, ihr Kundengeschäft stabil zu halten und ihre Ertragskraft deutlich zu steigern.

Auf der Aktivseite konnten die Sparkassen ihren Kreditbestand über alle Kundensegmente hinweg leicht ausbauen. Das Wachstum entfiel dabei vor allem auf das Firmenkundengeschäft, während sich das Kreditgeschäft mit Privatpersonen weitgehend stabil präsentierte. Mit ihrer restriktiven Geldpolitik im Zuge der Zinswende hat die EZB die Wirtschaftsdynamik und die Nachfrage nach Krediten gezielt abgebremst. Das hat sich auch im Neukreditgeschäft der Sparkassen ausgewirkt. Die Darlehenszusagen gingen insgesamt deutlich zurück. Allerdings mehren sich inzwischen die Anzeichen, dass die Talsohle hier erreicht ist. Zuletzt hat das Neukreditgeschäft wieder angezogen.

Auf der Passivseite erzielten die Mitgliedsinstitute bei den Kundenverbindlichkeiten einen leichten Zuwachs. Die Vermutung, dass die Zinswende gerade bei Sparkassen erhebliche Abflüsse bei den Kundeneinlagen auslösen würde, hat sich somit im Verbandsgebiet nicht bestätigt. Interne Umschichtungen hat es allerdings durchaus gegeben, nämlich von Spar- und Sichteinlagen in befristete Einlagen.

Bei der Ertragsentwicklung hat die Zinswende den Sparkassen in Hessen und Thüringen 2023 wie erwartet Rückenwind verliehen. Der Zinsüberschuss legte im Vergleich zum Vorjahr deutlich zu und steuerte damit den entscheidenden Anteil zur spürbaren Verbesserung des Betriebsergebnisses vor Bewertung bei. 2023 ist es den Sparkassen gelungen, das Nachbewertungs-Ergebnis sauber über die Linie zu bringen. Das war 2022 nicht der Fall gewesen. Damals hatten die Institute erhebliche Abschreibungen für die im Zuge der abrupten Zinswende entstandenen temporären Kursverluste bei den Wertpapiereigenanlagen vorgenommen. Diese Negativfolgen der Zinswende waren damit aber auch bewältigt und spielten 2023 keine Rolle mehr.

Sparkassen vereinen Tradition und Moderne und setzen deshalb auch bei der Wahrnehmung ihres öffentlichen Auftrags zunehmend auf digitale Kanäle. Das ist inzwischen eine Grundvoraussetzung, um die junge Generation zum Beispiel beim Thema finanzielle Bildung besser erreichen zu können. In der Sparkassenregion Hessen-Thüringen gibt es inzwischen eine Kooperation mit dem YouTube-Influencer Daniel Jung, der bei Jugendlichen mit seinen Mathematik-Tutorials über eine große Reichweite verfügt.

Ein Thema, das den Instituten besonders unter den Nägeln brennt, ist der Personalbereich. In Hessen-Thüringen wurde im vergangenen Jahr eine Arbeitgeber-Kampagne unter dem Motto „Modernes Arbeiten braucht moderne Lösungen“ entwickelt, mit der sich die Sparkassen-Finanzgruppe Hessen-Thüringen als Top Arbeitgeber positionieren und qualifizierte Fachkräfte gewinnen möchte.

 

Stefan G. Reuß
Geschäftsführender Präsident
Sparkassen- und Giroverband Hessen-Thüringen