Geschäftsentwicklung
der Mitglieds­sparkassen

Trotz widriger Umstände weiterhin auf Kurs: Die Sparkassen in Hessen und Thüringen blicken in einem schwierigen gesamtwirtschaftlichen Umfeld auf ein erfolgreiches Jahr 2023 zurück. Ungeachtet von internationalen Herausforderungen, Energiekrise und Rekordinflation konnten sie ihre positive Geschäftsentwicklung fortsetzen.

Kreditwirtschaftliche Rahmenbedingungen

Geopolitische Unsicherheiten, wirtschaftliche Abkühlung in Deutschland und im Euroraum, hohe Inflation und geldpolitische Straffung der Europäischen Zentralbank prägten die kreditwirtschaftlichen Rahmenbedingungen im Jahr 2023.

Geldpolitik

Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte ihre restriktive Geldpolitik angesichts der hohen Inflation fort und hob die Leitzinsen 2023 mit sechs Zinsschritten insgesamt um 200 Basispunkte an. Seit dem 20.09.2023 liegt der Hauptrefinanzierungssatz bei 4,50 %, der Spitzenrefinanzierungssatz bei 4,75 % und der Einlagesatz bei 4,00 %. Darüber hinaus stellte die EZB die Reinvestitionen im Rahmen des Programms zum Ankauf von Vermögenswerten (Asset Purchase Programme, APP) im Juli 2023 ein und beschloss die Wiederanlage von Mitteln aus dem Pandemie-Notfallankaufprogramm (Pandemic Emergency Purchase Programme, PEPP) ab Juli 2024 schrittweise zu beenden.

Zudem senkte sie die Verzinsung der Mindestreserven ab dem 20.09.2023 auf 0,00 % ab (vorher: 3,75 %). Die Inflationsrate im Euroraum fiel im Verlauf des Jahres 2023 von 8,6 % im Januar 2023 auf 2,9 % im Dezember 2023. Allerdings blieb die Teuerungsrate im Jahresdurchschnitt mit 5,4 % weiterhin deutlich über dem mittelfristigen Zielwert der EZB von 2,0 %. Grund hierfür waren insbesondere die hohen Nahrungsmittelpreise, während die Energiepreise im Unterschied zum Vorjahr nachgaben.

In Deutschland war die Inflationsrate mit 6,0 % sogar höher als im Euroraum. Die Wachstumsrate der Geldmenge M3 im Euroraum ermäßigte sich von 3,8 % (Dez. 2022) auf 0,1 % (Dez. 2023), womit der monetäre Preisdruck weiterhin schwach blieb. Vor dem Hintergrund einer schwächelnden Konjunktur und einer rückläufigen Inflation im Euroraum hob die EZB die Leitzinsen nicht weiter an. Auch die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) beließ den Leitzins seit Juli 2023 unverändert, der in der Spanne zwischen 5,25 % bis 5,50 % liegt. Damit wurde der Zinsgipfel diesseits und jenseits des Atlantiks 2023 erreicht. Für 2024 stellen die Notenbanken bereits erste Zinssenkungen in Aussicht.

Geld- und Kapitalmarkt

Trotz schwieriger politischer und wirtschaftlicher Rahmenbedingungen entwickelten sich die Aktienmärkte im Jahr  2023 insgesamt positiv. Der Deutsche Aktienindex Dax kletterte angesichts fallender Inflationsraten und zunehmender Zinssenkungserwartungen am 11.12.2023 auf ein neues Allzeithoch bei 16.794 Punkten. Das Jahr beendete der Dax mit einem Plus von 20,3 % (2022: -12,3 %) bei 16.751 Punkten. Auch die Kurse an den Rentenmärkten zogen gegen Ende des Jahres 2023 an. Im Gegenzug gaben die Renditen nach.

Die Rendite für Anleihen der öffentlichen Hand mit einer Restlaufzeit von über 9 bis einschließlich 10 Jahre, die am 04.10.2023 ihr Jahreshoch bei 3,10 % erreichte, gab im weiteren Verlauf spürbar nach und fiel am Jahresende 2023 mit 2,12 % sogar unter den Stand von Ende 2022 (2,61 %). Damit erhielten Anleger sowohl für festverzinsliche Wertpapiere als auch für Bankeinlagen 2023 zwar eine positive Nominalverzinsung, nach Berücksichtigung der hohen Inflation blieb die Realverzinsung jedoch weiterhin negativ. Am Geldmarkt, an dem Banken unbesichert ihren kurzfristigen Liquiditätsbedarf decken, stieg der 3-Monats-EURIBOR 2023 von 2,13 % auf 3,91 %.

Wirtschaftliche Entwicklung

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Deutschland ging 2023 preisbereinigt um 0,2 % (2022: 1,8 %) zurück. Verwendungsseitig sanken die privaten Konsumausgaben aufgrund der hohen Inflation preisbereinigt um 0,7 % (2022: 3,9 %). Der robuste Arbeitsmarkt und die steigenden Löhne und Gehälter konnten den Rückgang nicht verhindern. Auch die staatlichen Konsumausgaben schrumpften (-1,0 %; 2022: 1,6 %) erstmals seit fast 20 Jahren, was insbesondere auf den Wegfall pandemiebezogener Ausgaben zurückzuführen war. Die Bruttoanlageinvestitionen gingen um 0,7 % (2022: 0,1 %) zurück, da die Bauinvestitionen (-2,7 %; 2022: -1,8 %) infolge gestiegener Finanzierungs- und Baukosten erneut sanken. Dagegen legten die Ausrüstungsinvestitionen (2,8 %; 2022: 4,0 %) zu.

Dazu dürften neben den hohen Auftragsbeständen auch steigende Investitionen in die Transformation beigetragen haben. Auch der positive Außenbeitrag stützte das BIP. Die Exporte (-0,7 %; 2022: 3,3 %) gingen zwar zurück, noch stärker nahmen jedoch die Importe ab (-2,4 %; 2022: 6,6 %). Das staatliche Finanzierungsdefizit betrug 2023 auf 99,1 Mrd. Euro (2022: -96,9 Mrd. Euro) bzw. 2,4 % (2022: -2,5 %) des BIP.

Bestands- und
Ertragsentwicklung

In einem schwierigen geopolitischen und gesamtwirtschaftlichen Umfeld entwickelte sich das bilanzielle Geschäft der Sparkassen in Hessen und Thüringen 2023 rückläufig. Maßgeblich hierfür waren die Rückgänge im Interbanken- und im eigenen Wertpapiergeschäft. Das Kundengeschäft hingegen verzeichnete einen leichten Zuwachs, der jedoch deutlich hinter der Wachstumsrate vom Vorjahr blieb. Dennoch verbesserte sich das Betriebsergebnis vor und nach Bewertung gegenüber dem Vorjahr deutlich.

Die zusammengefasste Bilanzsumme der 48 Sparkassen in Hessen und Thüringen ging 2023 um 2,8 % (2022: 1,8 %) bzw. 4,3 Mrd. Euro auf 152,0 Mrd. Euro zurück. Dabei verringerte sich die Bilanzsumme der 32 hessischen Sparkassen um 2,8 % bzw. 3,5 Mrd. Euro auf 122,9 Mrd. Euro und die der 16 Thüringer Sparkassen um 2,8 % bzw. 0,8 Mrd. Euro auf 29,0 Mrd. Euro.

Bilanzsumme
In Mrd. €

Kreditgeschäft

Die gestiegenen Finanzierungskosten und die unsicheren wirtschaftlichen Perspektiven angesichts multipler Krisen hinterließen 2023 Bremsspuren im Kreditgeschäft. Das Darlehensneugeschäft war mit 12,2 Mrd. Euro (2022: 15,4 Mrd. Euro) um 20,8 % niedriger als im Vorjahr. Der Kreditbestand stieg verhalten um 0,7 % (2022: 5,2 %) bzw. 0,6 Mrd. Euro auf 93,3 Mrd. Euro. Bei den hessischen Sparkassen erhöhte sich das Kreditvolumen um 0,9 % bzw. 0,7 Mrd. Euro auf 78,8 Mrd. Euro, während es bei den Thüringer Sparkassen um 0,4 % bzw. 0,1 Mrd. Euro auf 14,6 Mrd. Euro zurückging. Gefragt waren ausschließlich langfristige Kredite (1,3 % bzw. 1,0 Mrd. Euro), die ein Volumen von 83,2 Mrd. Euro und einen Anteil von 89,1 % am Kreditbestand erreichten. Dagegen nahmen sowohl die mittelfristigen (-5,6 % bzw. -0,4 Mrd. Euro) als auch die kurzfristigen Kredite (-1,3 % bzw. -49 Mio. Euro) ab.

 

Kredite an Nichtbanken
In Mrd. €

Wachstumsimpulse gingen erneut vom Kreditgeschäft mit Unternehmen und Selbständigen aus, wenngleich diese deutlich schwächer ausfielen als in den Vorjahren. Das Darlehensneugeschäft war mit 6,8 Mrd. Euro um 14,6 % niedriger als im Vorjahr. Das Kreditvolumen stieg moderat um 1,4 % (2022: 6,1 %) bzw. 0,7 Mrd. Euro auf 48,3 Mrd. Euro. Getragen wurde der Zuwachs vor allem von den gewerblichen Wohnungsbaukrediten (3,2 % bzw. 0,6 Mrd. Euro auf 18,1 Mrd. Euro). Aber auch die Unternehmenskredite ohne Wohnungsbau (0,3 % bzw. 0,1 Mrd. Euro auf 30,2 Mrd. Euro) legten leicht zu. Nach Laufzeiten differenziert resultierte der Zuwachs im Firmenkundengeschäft ausschließlich aus der Ausweitung der langfristigen Kredite (2,0 % bzw. 0,8 Mrd. Euro auf 39,9 Mrd. Euro).

Der starke Einbruch bei den Baugenehmigungen schlug sich vor allem im Neugeschäft mit Privatpersonen durch, das 2023 um 32,3 % auf 4,4 Mrd. Euro sank. Dennoch blieb das Kreditgeschäft mit Privatpersonen weitgehend stabil. Der Kreditbestand ging lediglich um 0,1 % bzw. 39 Mio. Euro auf 38,9 Mrd. Euro zurück. Darunter verzeichneten die Wohnungsbaukredite (0,1 % bzw. 43 Mio. Euro auf 35,7 Mrd. Euro), die Ende 2023 91,7 % der Privatkundenkredite ausmachten sogar einen leichten Zuwachs, während sich der langjährige Abwärtstrend bei den Konsumentenkrediten verstärkt fortsetzte (-2,5 % bzw. -0,1 Mrd. Euro auf 3,2 Mrd. Euro).

Das Kreditgeschäft mit öffentlichen Haushalten ging 2023 um 1,2 % (2022: -4,2 %) bzw. 47 Mio. Euro auf 3,7 Mrd. Euro zurück.

Einlagengeschäft

Das bilanzielle Einlagengeschäft war 2023 angesichts gestiegener Zinsen vom Umschichtungsprozess der Kunden geprägt, die ihre Sicht- und Spareinlagen zu Gunsten höher verzinster Termingelder, Eigenemissionen und bilanzneutraler festverzinslicher Wertpapiere reduzierten. Der bilanzielle und bilanzneutrale Geldvermögenszuwachs der Sparkassenkunden in Hessen und Thüringen belief sich 2023 auf 4,0 Mrd. Euro und war – aufgrund des moderaten Anstiegs der bilanziellen Kundeneinlagen (0,2 Mrd. Euro; 2022: 3,7 Mrd. Euro) – deutlich geringer als in 2022 (6,8 Mrd. Euro). Der Schwerpunkt der Geldvermögensbildung lag damit erstmals seit 2009 im bilanzneutralen Wertpapiersparen, das 95,8 % (2022: 45,3 %) des Zuwachses ausmachte. Der Nettoabsatz an Wertpapieren fremder Emittenten war mit 3,8 Mrd. Euro (2022: 3,1 Mrd. Euro) um 24,1 % höher als in 2022. Gefragt waren neben Investmentfondsanteilen (0,6 Mrd. Euro; 2022: 1,2 Mrd. Euro) vor allem festverzinsliche Wertpapiere (3,4 Mrd. Euro; 2022: 1,6 Mrd. Euro), während „Aktien und Optionsscheine“ (-0,1 Mrd. Euro; 2022: 0,3 Mrd. Euro) von den Kunden abgebaut wurden. Die Umsätze im Kundenwertpapiergeschäft erhöhten sich um 24,8 % bzw. 3,5 Mrd. Euro auf 17,4 Mrd. Euro. Dabei stiegen sowohl die Wertpapierkäufe (24,7 % auf 10,6 Mrd. Euro) als auch die Wertpapierverkäufe (25,0 % auf 6,8 Mrd. Euro).

Die Kundeneinlagen der Sparkassen in Hessen und Thüringen erhöhten sich 2023 um 0,1 % (2022: 3,2 %) bzw. 0,2 Mrd. Euro auf 121,3 Mrd. Euro. In Hessen stiegen die Einlagen um 0,4 % bzw. 0,4 Mrd. Euro auf 97,2 Mrd. Euro, während sie in Thüringen um 1,1 % bzw. 0,3 Mrd. Euro auf 24,2 Mrd. Euro zurückgingen. Differenziert nach Kundengruppen kamen die Mittelzuflüsse von Unternehmen, die im krisengeprägten Umfeld Investitionen zurückhielten und Liquidität sicherten. Privatpersonen zogen hingegen angesichts höherer Ausgaben und Wertpapierkäufe per saldo Mittel ab. Bei den Einlagearten waren die „Täglich fälligen Gelder“, die in der Niedrigzinsphase kräftig wuchsen nicht mehr gefragt. Ihr Bestand schrumpfte 2023 – über alle Kundengruppen hinweg – spürbar um 8,7 % bzw. 8,2 Mrd. Euro auf 85,5 Mrd. Euro. Entsprechend ging ihr Anteil an den Kundeneinlagen um 6,9 %-Punkte auf 70,5 % zurück und war damit so niedrig wie zuletzt 2018.

Verbindlichkeiten ggb. Nichtbanken
In Mrd. €

Der Abschmelzungsprozess bei den Spareinlagen (-15,9 % bzw. -3,4 Mrd. Euro auf 17,8 Mrd. Euro) setzte sich 2023 verstärkt fort. Der Rückgang resultierte dabei fast vollständig aus den normal verzinsten Spareinlagen (-28,4 % bzw. -3,4 Mrd. Euro auf 8,4 Mrd. Euro). Entsprechend fiel der Anteil der Spareinlagen an den Kundeneinlagen auf rekordtiefe 14,7 % (2022: 17,5 %). Dagegen verzeichneten sowohl die Eigenemissionen (182,5 % bzw. 4,9 Mrd. Euro auf 7,5 Mrd. Euro) als auch die Termingelder (191,1 % bzw. 6,9 Mrd. Euro auf 10,5 Mrd. Euro) kräftige Mittelzuflüsse.

Eigen- und Interbankengeschäft

Die Sparkassen in Hessen und Thüringen bauten 2023 ihre Wertpapiereigenanlagen um 6,8 % (2022: -3,3 %) bzw. 2,3 Mrd. Euro auf 31,3 Mrd. Euro verstärkt ab. Dabei wurden neben „Aktien und andere nicht festverzinsliche Wertpapiere“ (-6,0 % bzw. -0,7 Mrd. Euro auf 11,3 Mrd. Euro) vor allem „Anleihen und Schuldverschreibungen“ (-7,2 % bzw. -1,5 Mrd. Euro auf 20,0 Mrd. Euro) zurückgeführt. Entsprechend ging der Bilanzanteil der Wertpapiere im Eigenbestand auf 20,6 % (2022: 21,5 %) zurück.

Im Interbankengeschäft nahmen die Verbindlichkeiten gegenüber Monetäre Finanzinstitute (MFIs) um 28,6 % (2022: -8,4 %) bzw. 4,8 Mrd. Euro auf 12,0 Mrd. Euro ab. Auch die Kredite an MFIs gingen um 14,6 % (2022: 94,6 %) bzw. 3,6 Mrd. Euro auf 20,7 Mrd. Euro zurück. Entsprechend fiel der Bilanzanteil des Interbankengeschäfts aktivseitig von 15,5 % (Ende 2022) auf 13,6 % und passivseitig von 10,8 % (Ende 2022) auf 7,9 %.

Ertragslage und Eigenmittel

Die Sparkassen in Hessen und Thüringen konnten 2023 ein im Vergleich zum Vorjahr deutlich höheres Betriebsergebnis vor Bewertung verbuchen. Zur Ertragsentwicklung hat die Zinswende den Sparkassen wie erwartet Rückenwind verliehen. Der Zinsüberschuss stieg im Berichtsjahr um 26,7 % an, mit insgesamt gut 2,7 Mrd. Euro lag er damit um 577 Mio. Euro über dem Vorjahreswert. Einen weiteren Ertragszuwachs lieferte das Provisionsgeschäft. Der Provisionsüberschuss verbesserte sich um 34 Mio. Euro bzw. 3,6 % auf knapp 1,0 Mrd. Euro. Den Ertragssteigerungen stand kostenseitig ein Anstieg beim Verwaltungsaufwand um 134 Mio. Euro bzw. 6,8 % auf über 2,1 Mrd. Euro gegenüber. Unter Hinzurechnung des sonstigen betrieblichen Ergebnisses erhöhte sich das Betriebsergebnis vor Bewertung per saldo um 480 Mio. Euro bzw. 42,1 % auf 1,6 Mrd. Euro. Die Cost-Income-Ratio als Verhältnis von Verwaltungsaufwand zu der Summe aus dem Zins-, Provisions- und dem sonstigen betrieblichen Ergebnis verbesserte sich von 63,5 % auf 56,6 %.

Nach Bewertung und vor Dotierung der Vorsorgereserven lag das Betriebsergebnis im Berichtsjahr mit 1,7 Mrd. Euro um 1,8 Mrd. Euro über dem Negativ-Saldo des Vorjahres. Während in 2022 infolge der schnellen und abrupten Zinswende im Wertpapierbereich anhand der Marktbewertungen Abschreibungen in Höhe von 1,3 Mrd. Euro anfielen, konnten nunmehr Zuschreibungen von 255 Mio. Euro verbucht werden. Im Kreditgeschäft war mit 193 Mio. Euro nach nur geringen Abschreibungen im Vorjahr (13 Mio. Euro) ein etwas höherer Abschreibungsbedarf zu verzeichnen. Aus dem sonstigen Bewertungsergebnis resultierten Zuschreibungen in Höhe von 2 Mio. Euro. Nach Steuerzahlungen von 333 Mio. Euro und Zuführungen zu den Reserven lag das Jahresergebnis mit 282 Mio. Euro um 144,7 % über dem des Vorjahres.

Die regulatorischen Anforderungen an die Ausstattung mit Eigenmitteln wurden auch 2023 mehr als erfüllt. Die Gesamtkapitalquote betrug für die Sparkassen in Hessen und Thüringen 18,6 %, die Kernkapitalquote 17,6 %. Die Eigenmittel umfassten Ende 2023 insgesamt 14,6 Mrd. Euro und lagen damit um 1,3 % höher als im Vorjahr. Davon entfielen 13,8 Mrd. Euro auf das Kernkapital.

Ausblick

Die Konjunkturaussichten für 2024 bleiben verhalten. Allerdings dürften mit dem rückläufigen Trend der Inflation, dem steigenden Realeinkommen, einem weiterhin robusten Arbeitsmarkt und einer allmählichen Belebung der Weltwirtschaft sich die Aussichten für die deutsche Wirtschaft im Verlauf des Jahres 2024 aufhellen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg im 1. Quartal 2024 gegenüber dem Vorquartal – preis-, saison- und kalenderbereinigt – um 0,2 %. Das leichte Wachstum wurde von steigenden Bauinvestitionen und Exporten getragen, während die privaten Konsumausgaben zurückgingen. Die Inflationsrate in Deutschland, die im Dezember 2023 noch 3,7 % betrug, ging seitdem stetig zurück und lag im April 2024 bei 2,2 %. Die Bundesregierung erwartet in ihrer Frühjahrsprojektion vom 24.04.2024 für 2024 ein BIP-Wachstum in Deutschland von 0,3 % und eine Inflationsrate von 2,4 %, wenngleich die Prognosen mit Abwärtsrisiken behaftet sind.

Unwägbarkeiten und Risiken ergeben sich in erster Linie aus: (1) Verschärfung der geopolitischen Lage (u. a. Ukraine-Krieg, Naher Osten), (2) schwächere Weltwirtschaft, (3) erneuter Anstieg der Energiepreise und damit der Inflation, (4) stärkere Dämpfung der Nachfrage durch die Geldpolitik als erwartet, (5) zurückhaltendes Ausgabeverhalten der Verbraucher, (6) Spannungen zwischen den USA und China, (7) Wahlen in den USA, (8) De-Globalisierung, (9) Fachkräftemangel, (10) Demografischer Wandel, (11) Transformation hin zu einer klimaneutralen und digitalen Wirtschaft, (12) restriktiveren finanzpolitischen Kurs. Chancen für ein stärkeres Wachstum würden sich hingegen ergeben, wenn die Konsumausgaben stärker anziehen, die weltwirtschaftliche Belebung kräftiger ausfällt und die Leitzinsen früher gesenkt werden als erwartet.

Angesichts der fehlenden gesamtwirtschaftlichen Dynamik dürfte das Kundengeschäft der Sparkassen in Hessen und Thüringen in etwa stabil bleiben. Auf der Ertragsseite dürften die Sparkassen ihr Ergebnis 2024 weiter verbessern.