Zwölf Deutschlandstipendien an sechs Universitäten und Hochschulen in Hessen

Die Stiftung vergab im Jahr 2023 jeweils zwei Deutschlandstipendien an engagierte Studierende und Studienanfänger aller Nationalitäten, die im Bewerbungsprozess neben Leistung und Engagement auch besondere soziale Aspekte oder Hürden im Lebens- und Bildungsweg berücksichtigen. Damit setzt sie ein Zeichen der Talentförderung in der universitären Vielfalt einzelner Fachbereiche aus den Gesellschafts- und Geisteswissenschaften. Was es für die Studierenden bedeutet, ein Deutschlandstipendium von 300 Euro für ein Jahr zu erhalten, teilten sie mit uns. Ausgewählt wurden Studierende der Hochschule für Gestaltung Offenbach, der Goethe-Universität Frankfurt, der Universität Kassel, der Justus-Liebig-Universität Gießen, der Philipps-Universität Marburg und der Technischen Universität Darmstadt.

Philipps-Universität Marburg,
Anna Izmalkova

Gesellschaftswissenschaften und Philosophie – Friedens- und Konfliktforschung

„Dank dieser finanziellen Unterstützung konnte ich eine Winterschule in Armenien besuchen und werde an einer Sommerakademie in Kroatien teilnehmen, um mein Wissen in den Bereichen Konfliktregulierung, Friedensförderung und Opferhilfe zu erweitern. Darüber hinaus habe ich mehr Zeit für meine Freiwilligeninitiative „I am Ukraine“ aufgewendet, die sich vor allem darauf konzentriert, humanitäre und medizinische Hilfe in meine Heimatregion Zapoirizhzhia zu schicken. Ein Stipendium zu erhalten bedeutet mir sehr viel – es geht nicht nur um das Geld, sondern auch um die Anerkennung meiner Bemühungen und die Inspiration, noch mehr zu erreichen. Die humanitäre Hilfe wurde von der Initiative „Ich bin die Ukraine“ gesammelt."

Philipps-Universität Marburg,
Jasper Pfaff

Soziologie: Fachbereich Gesellschaftswissenschaften und Philosophie

„Mit den monatlichen 300 Euro des Deutschlandstipendiums ermöglichen mir die Sparkassen-Kulturstiftung und der Bund vor allem eine freiere Studiengestaltung. So kann ich auf ein anstehendes Auslandssemester in Luzern sparen und im Sommer an einem einwöchigen Seminar in Österreich teilnehmen. Ein Teil des Geldes fließt zudem in andernfalls ungelesen bleibende Fachbücher, in eine bessere technische Ausstattung und natürlich auch in die allmonatliche Versorgung. Damit eröffnet mir die einjährige Förderung zusätzliche Bildungschancen und wichtige Zeitressourcen."

Hochschule für Gestaltung Offenbach, Anna Penn
Kunst

Das Deutschlandstipendium ermöglicht es mir, durch eine größere finanzielle Freiheit, mir mehr Zeit für meine künstlerische Praxis einzuräumen und tiefer in verschiedene Themenkomplexe einzusteigen. Ich studiere Kunst und befinde ich mich am Ende meines Studiums und konnte nun, bevor ich abschließe noch einmal die Möglichkeit eines Studiums im Ausland verwirklichen. Aktuell studiere ich freie Kunst an der ENSBA in Lyon und bin sehr froh über diese Erfahrung, erstmals abseits von Frankfurt als Künstlerin arbeiten zu können und viele verschiedene international arbeitende Künstlerinnen und Künstler kennenzulernen."

Hochschule für Gestaltung Offenbach, Jonathan Mink
Kunst

„Die Vergütung eines Stipendiums wird immer in Geldbeträgen angegeben. Meiner Meinung nach ist die Summe nicht entscheidend, sondern viel wichtiger ist die Zeit, die durch den Erhalt des Deutschlandstipendiums nicht mehr für Lohnarbeit aufgewendet werden muss. Dank des Stipendiums hatte ich im letzten Jahr die Möglichkeit, mich voll auf mein Studium und die Entwicklung meiner künstlerischen Praxis zu konzentrieren. Dafür bin ich sehr dankbar."

Technische Universität Darmstadt, Noah Spross
Soziologie und Interdisziplinäre Anthropologie

„Mein Weg zur Universität war zunächst von besonderen Herausforderungen geprägt. Trotz erheblicher schulischer Schwierigkeiten konnte ich stets auf die Unterstützung meiner Eltern und Freunde bauen. Ihre Ermutigung half mir, die schulischen Hürden im Gymnasium zu meistern und eine immense Leidenschaft für die Sozial- und Geisteswissenschaften zu entwickeln. Die anschließende Phase meiner Ausbildung war besonders prägend, da ich mich neben der Bildung beruflicher Fähigkeiten auch im Selbststudium einer Vielzahl weiterer Themen widmete, die ich Dank der Förderung an der Universität vertieft habe. Besonders wertvoll ist dabei die Gelegenheit, mich intensiv mit meiner Untersuchung zu Konflikten und der Konstitution von Öffentlichkeit, mit besonderem Fokus auf Strategien der Gruppenbildung und Konsensfindung, auseinanderzusetzen."

Technische Universität Darmstadt, Joshua Beck
Politikwissenschaft

„Das Deutschlandstipendium zu erhalten, bedeutet für mich eine große Ehre und Anerkennung meiner Leistungen sowie meines Potenzials. Ohne finanzielle Sorgen kann ich mich parallel zum Studium weiter ehrenamtlich im Stadtparlament und in der Kommunalpolitik engagieren und ausreichend freie Zeit für meine Hobbys, Interessen und Leidenschaften finden. Nicht zuletzt bedeutet das Stipendium für mich auch eine Verpflichtung, mich weiterhin für meine akademischen Ziele einzusetzen und einen Beitrag zur Gesellschaft zu leisten."

Justus-Liebig-Universität Gießen, Maximilian Schäfer
Musikwissenschaft

„Dass ich für das Stipendium ausgewählt wurde, ist für mich eine Ehre und ein Ansporn. Durch das Studium der Musikwissenschaft kann ich mich meiner Leidenschaft täglich widmen und meinen musikalischen Horizont erweitern, für mich stellt das die perfekte Mischung aus Hobby und Lernen dar. Mit dem Geld möchte ich Fachliteratur erwerben und neue Musikinstrumente anschaffen, die ich für mein Studium brauche."

Justus-Liebig-Universität Gießen, Sven Beinke
Master Demokratie und Governance

„Das Deutschlandstipendium gibt mir die Möglichkeit, Studium, Arbeit, hochschulpolitisches-, wie auch außeruniversitäres Engagement, zeitlich und finanziell vereinbaren zu können. Zudem konnte ich im vergangenen Semester ein Auslandspraktikum in Stockholm absolvieren. Gerade für die nun anstehende Masterarbeitszeit erlaubt mir die Förderung weniger parallel zum Studium arbeiten zu müssen, ohne dass ich bei meinem außeruniversitären Engagement zeitlich oder meinen Lebenshaltungskosten finanziell unter Druck gerate."

Goethe Universität Frankfurt,
Melda Demir

Sozial- und Kulturanthropologie

„Dank des Deutschlandstipendiums konnte ich hochschulpolitische Verantwortung als studentische Vertreterin der Ethnologie im Ausschuss für Gleichstellung und Antidiskriminierung im Fachbereich 08 übernehmen. Die finanzielle Unterstützung ermöglichte mir, meinen mehrmonatigen Forschungsaufenthalt im Herbst / Winter 2023 im westafrikanischen Benin intensiver, durch einen Französischkurs und eine außercurriculare Leseübung zur Kunstgeschichte im afrikanischen Kontext mit einem Gastdozenten vorzubereiten."

Wissenschaft und Bildung brauchen Zeit. Sie brauchen auch monetäre Ressourcen, besonders im Kontext von First-Generation-Students, die oftmals außer Acht gelassen werden. Studierende der ersten Generation werden zu Beginn und während ihres Studiums mit einer Vielzahl von Herausforderungen konfrontiert. Abgesehen von dem statistischen Beleg, dass Personen aus einem akademischen Haushalt eher ein Studium aufnehmen als solche, die aus einem Arbeiter-Haushalt stammen, starten sogenannte First-Generation-Students mit beträchtlich weniger finanziellen Mitteln ins Studium.

Universität Kassel,
Rawaa Al Mahameed

Architektur

„Vielen Dank! Als Architektin möchte ich die Einflüsse verschiedener Baustile unter Einbeziehung von Flora und Fauna vereinen, da sich diese sowohl auf die Lebensqualität als auch auf die Umwelt positiv auswirken. Von dem Stipendium in Höhe von 300 Euro im Monat habe ich mir einen Laptop gekauft, der für mein Studium unabdingbar ist. Außerdem hat die Finanzierung zur Deckung meiner Lebenshaltungskosten beigetragen und mir die Möglichkeit eröffnet, zusätzliches Material für Studium und Projektentwürfe zu erwerben. So konnte ich mich voll auf das Lernen konzentrieren."

Universität Kassel,
Leonie Moosmann

Agrarwissenschaft, Ökologische Landwirtschaft

Die ökologische Agrarwissenschaft ist ein wichtiger Baustein für mehr Biodiversität und eine klimaverträgliche Ernährung. Ich freue mich, immer mehr Zusammenhänge zu verstehen. Bisher habe ich mich über meine Tätigkeit als Gärtnerin finanziert, was für das Verständnis der Landwirtschaft ebenfalls besonders wertvoll ist. Trotzdem freue ich mich nun, dank der Förderung mehr Zeit für das Studium und mein Engagement für Geflüchtete zu haben."